Reflektor-Geometrien & Strahlprofile — Wie UV das Ziel erreicht

Source: IUVA Handbook + Miltec UV + Newport Optics + US Patent US20050115498A1

Schnellantwort

Ein Reflektor lenkt typischerweise etwa 65 % der von einer Lampe emittierten UV-Strahlung zurück in Richtung Ziel — ohne ihn strahlt die Lampe gleichmäßig in alle Richtungen ab, und nur der Anteil der Halbkugel, der zufällig in die richtige Richtung zeigt, wird genutzt. Die gewählte Geometrie entscheidet zwischen einem konzentrierten Hotspot (elliptisch, gut für lokalisierte Aushärtung) und einem gleichmäßigen Lichtteppich (parabolisch, gut für Förderband-Anwendungen). Das Reflektormaterial und sein Reflexionsgrad bei der Arbeitswellenlänge sind genauso wichtig wie die Form.


Warum überhaupt einen Reflektor?

Eine UV-Lampe ist ein isotroper Strahler — Photonen verlassen sie gleichmäßig in alle Richtungen. Ohne Reflektor geht etwa die Hälfte der Leistung in die rückwärtige Halbkugel, vom Ziel weg, und ein weiterer Anteil geht durch Absorption und Streuung an Gehäusewänden verloren, bevor irgendetwas davon nützliche Arbeit leistet.

Ein gut konstruierter Reflektor fängt einen Großteil dieser rückwärtigen Leistung wieder ein und lenkt sie auf das Ziel, wodurch der Anteil „produktiver" UV-Photonen erheblich gesteigert wird. Deshalb umschließen die meisten leistungsstarken industriellen UV-Systeme die Lampe mit einem Reflektor — er ist ein direkter Multiplikator der effektiv installierten Leistung.

Ausnahmen sind omnidirektionale Anwendungen wie die In-Reaktor-Wasserdesinfektion (UV-Reaktoren mit Quarzhülse), bei denen die UV-Strahlung ohnehin in alle Richtungen ins Medium abgestrahlt werden soll.


Die zwei Hauptgeometrien

Parabolisch — kollimierter Strahl

    Lampe (Brennpunkt)
       *
    \  |  /       paralleler Lichtfluss
     \ | /        nach unten
   ---+---        (Parabel)

Die Lampe sitzt im Brennpunkt der Parabel. Jeder Strahl, der auf die parabolische Wand trifft, wird parallel nach unten reflektiert. Das Ergebnis ist ein gleichmäßiger Fluss über die volle Breite der Reflektoröffnung.

Anwendungsfälle:

  • Förderband-Aushärtung (Beschichtungen/Klebstoffe): Die Bahn durchläuft und wird über ihre gesamte Breite gleichmäßig bestrahlt
  • Großflächige Desinfektion stationärer Oberflächen
  • Phototherapie

Kompromiss: keine Spitzenintensität — die Energie wird über die Fläche verteilt. Wenn Spitzenleistung benötigt wird (etwa zum Aushärten einer dicken Klebstoffschicht in unter einer Sekunde), ist ein parabolischer Reflektor zu schwach.

Praxistipp: Parabolische Reflektorsysteme funktionieren am besten in einem vom Hersteller spezifizierten Arbeitsabstand zum Ziel — zu nah und der Strahl ist noch nicht kollimiert, zu weit und er divergiert wieder.

Elliptisch — fokussierte Linie / Spot

    Brennpunkt 1
       *         (Lampe)
    /     \
   |       |
    \     /
       *         (Substrat / Ziel)
    Brennpunkt 2

Eine Ellipse hat zwei Brennpunkte. Die Lampe sitzt in Brennpunkt 1 und das Ziel in Brennpunkt 2. Geometrisch wird jeder Strahl vom ersten Brennpunkt auf den zweiten konzentriert — was extreme Spitzenintensität entlang eines schmalen Streifens erzeugt.

Anwendungsfälle:

  • Hochleistungs-Aushärtung dicker Beschichtungen (Mitteldruck-Quecksilberlampe, ~200 W/cm)
  • Spot-Curing / Spot-Welding in der Elektronikfertigung
  • UV-Vernetzung von Klebstoffen direkt am Klebepunkt

Kompromiss: ein sehr schmaler aktiver Streifen. Für breite Bahnen müssen mehrere elliptische Reflektoren parallel angeordnet oder die Bahn schmaler gehalten werden.

Wartungsfalle: Die genaue Positionierung des Ziels in Brennpunkt 2 ist kritisch — schon ein Versatz von wenigen Millimetern reduziert die Spitzenintensität stark, weil die konvergierenden Strahlen sich nicht mehr dort treffen, wo das Substrat sitzt.

Hybridformen

  • Off-Axis-Parabolisch: ein Seitenausschnitt einer Parabel. Ermöglicht nicht rotationssymmetrische Geometrien (zum Beispiel UV von der Seite auf eine vertikale Bahn).
  • Sphärisch: einfach eine Halbkreisschale. Schlecht für die Effizienz (kein definierter Brennpunkt), aber preiswert und nur als Streuschutz-Reflektor in Low-End-Anwendungen eingesetzt.
  • Compound (CPC): eine zusammengesetzte parabolische Geometrie — sammelt Strahlen aus einem weiten Akzeptanzwinkel auf einen schmalen Austritt. Üblich in Solarkonzentratoren, seltener in UV-Anwendungen.

Material & Reflexionsspektrum

Der Reflexionsgrad bei 254 nm (keimtötend) ist nicht derselbe wie bei sichtbaren Wellenlängen. Die Materialwahl ist UV-spezifisch:

Material Reflexionsgrad bei 254 nm Anmerkungen
PTFE (Spectralon) ~95 % Lambertsch (diffus), kein Strahlprofil — gut für Ulbricht-Kugeln, nicht für fokussierte Geometrie
MgF₂-beschichtetes Aluminium hoch Premium-Beschichtung, oxidationsbeständig, hält den spekularen UV-Reflexionsgrad; relativ teuer
Enhanced / spekular eloxiertes Aluminium hoch Industriestandard, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Standard-eloxiertes Aluminium mäßig Preiswert; Reflexionsgrad fällt unterhalb von ~250 nm stark ab
Poliertes blankes Aluminium (z. B. 6061) gut Korrosionsanfällig — die wachsende Oxidschicht verschlechtert den Reflexionsgrad mit der Zeit
Polierter Edelstahl gering Generell schlechter UV-Reflexionsgrad — nur als Streuschutzfläche nützlich, nicht für Leistung

Faustregel: Gewöhnliches eloxiertes Aluminium verliert einen großen Teil seines Reflexionsgrads im Vakuum-UV-Bereich (unterhalb von ~200 nm). Wenn die Anwendung 185-nm-Photonen nutzt (Ozonerzeugung, Mineralisierung), ist die Wahl des Reflektormaterials entscheidend. Für eine reine 254-nm-Anwendung kann der Reflektor günstiger sein.


Das Strahlprofil visualisieren

Bei der Auslegung eines UV-Systems hilft es, sich die Strahlgeometrie tatsächlich vorzustellen:

Parabolisch — gleichmäßig:

Die vertikale UV-Intensität über eine breite Reflektoröffnung sieht aus wie ein Plateau: ungefähr Spitze in der Mitte, immer noch hoch zu den Rändern hin, dann ein scharfer Abfall. Eine breite aktive Zone mit geringer Spitzenhöhe.

Elliptisch — spitz:

Dieselbe Lampenleistung erzeugt ein schmales, hohes Maximum im zweiten Brennpunkt: eine steile zentrale Spitze, die zu beiden Seiten rasch abfällt. Eine schmale aktive Zone mit sehr hoher Spitzenhöhe.

Ohne Reflektor:

Nur die direkte Lampenleistung erreicht das Ziel — eine breite, niedrige 1/r²-Verteilung. Als Faustregel gilt: Was auch immer mit einem Reflektor nicht zurückgewonnen wird, endet als Wärme und Streustrahlung im System und muss auf andere Weise abgeführt werden (Kühlung, Lichtfallen).


Praxis: Reflektoren altern — und niemand bemerkt es

Reflektoren werden in der Wartungsdokumentation oft vergessen. Aber sie verschlechtern sich auf messbare Weise:

  1. **Oxidschicht-**Wachstum auf Aluminiumreflektoren — Mikrokorrosion erzeugt einen matten, gräulichen Film
  2. Staub- und Aerosolablagerungen in Luftanwendungen — diese absorbieren UV und bilden lokale Hotspots
  3. Wassersprühnebel und Mineralien in Wasseranwendungen — Verkalkung
  4. Mechanische Verformung durch Temperaturwechsel — Brennpunktdrift bei elliptischen Reflektoren

Der Reflektor-Reflexionsgrad fällt mit der Zeit messbar ab und verschlechtert sich in vielen Aufbauten schneller als der Leistungsabfall der Lampe selbst — das heißt, der Reflektor kann genauso viel zur sinkenden UV-Leistung eines Systems beitragen wie die Lampe selbst.

Wartungs-Best-Practice:

  • Reflektor-Reflexionsgrad periodisch mit einem 254-nm-Radiometer und einer Testlampe neu vermessen
  • Sichtbar verfärbte Reflektoren ersetzen (nicht polieren — die Oberflächenbeschichtung ist dünn)
  • Die Quarzhülse zwischen Lampe und Reflektor regelmäßig reinigen (eine verschmutzte Hülse verhält sich wie ein reduzierter Reflexionsgrad)

Ohne Reflektor — wann ergibt das Sinn?

Manche Anwendungen verzichten bewusst auf Reflektoren:

  • In-Reaktor-Wasser-UV-Systeme: Die Lampe sitzt in einer zentralen Quarzhülse, von der Wasser umströmt wird — die UV-Strahlung soll omnidirektional ins Wasser eintreten, nicht auf eine Wand treffen. Hier sind die Reaktorwände absichtlich UV-absorbierend (der schlechte UV-Reflexionsgrad von poliertem Edelstahl ist erwünscht — er verhindert, dass UV durch die Wand entweicht).
  • Open-Air Far-UVC (222 nm) zur Raumdesinfektion: Die UV-Strahlung soll den ganzen Raum füllen, daher wäre eine richtungsgebende Optik kontraproduktiv.
  • Inline-Fluidzellen für die pharmazeutische Forschung: Der Pfad ist bekannt und die Lampe nah am Ziel, daher würde ein Reflektor nur marginale Leistung bei großem Wartungsaufwand bringen.

In der großen Mehrheit der industriellen UV-Anwendungen ist ein Reflektor jedoch Standard und leistungskritisch.


Querverweise

  • Aufbau einer UV-Lampe — Lampenanatomie als Voraussetzung
  • Vorschaltgeräte & Treiber — Versorgung der Lampe
  • Excimer-Lampen Deep-Dive (in Vorbereitung — 222 nm hat eigene Reflektoranforderungen)
  • LED vs. Quecksilber — UV-LEDs nutzen oft integrierte Linsen statt klassischer Reflektoren
  • LED-Flächenstrahler — LED-Flächenstrahler nutzen Reflektorbecher pro Chip plus Homogenisierer-Linsenarrays statt Makro-Reflektoren: eine konzeptionell verwandte, aber technisch eigenständige Sekundäroptik-Architektur

Quellen


Zuletzt aktualisiert: Mai 2026.

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